Pressemitteilung 27.07.2017

09.10.2015 Diskussion um Nazi-Schlosser im Stadtparlament

Als außerordentlich verwundert zeigte sich Michael Beltz, DKP, Stadtverordneter in der Linksfraktion, in seinem Bericht an den Kreisvorstand über das Ausmaß an Nicht-Wissen, das im Stadtparlament deutlich wurde, als es um seinen Antrag zur Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Herrmann Schlosser ging.

Dies treffe auch auf OB Grabe-Bolz zu, die – ohne auf die Inhalte einzugehen – zu Beginn der Diskussion mit der Feststellung überraschte: das Rechtsamt habe „herausgefunden“, dass die Ehrenbürgerschaft mit dem Tode erloschen und der Antrag damit hinfällig sei. Dies geht jedoch aus den Vergabe-Richtlinien nicht hervor; es widerspricht der Praxis, dass gelegentlich posthum Ehrenbürgerschaften ausgesprochen werden und andere, z.B. von Hitler u. a. Faschisten, aberkannt wurden. Auch der Änderungsantrag von SPD/Grün, der eine gründliche Erforschung der Vergangenheit und der Umstände der Verleihung zur Vorbedingung weiterer Beschlüsse fordert, zeugt von immensen Geschichtslücken in allen Fraktionen, stellte Michael Beltz fest, wobei Merz (SPD) und Grothe (Grüne) immerhin eine politische Bewertung einforderten. Dass Hermann Schlosser bekennender Nazi und Vorstandsvorsitzender der Degussa war, die sich an geraubtem Gold jüdischer Häftlinge bereicherte und das Giftgas Zyklon B an das Vernichtungslager Auschwitz lieferte, ist hinlänglich bekannt und in den Nürnberger Prozessen sowie dem Auschwitz Prozess dokumentiert. Das muss nicht erforscht werden. An dem Geld, das Schlosser so großzügig spendete, klebt das Blut und Leid der KZ-Häftlinge, der Ermordeten und der Zwangsarbeiter.

Spätestens im Jahr 2003, als der Skandal Schlagzeilen machte, dass ausgerechnet die Degussa an den Arbeiten zur Errichtung des Holocaust-Mahnmals beteiligt war, hätten auch die Gießener Parlamentarier über Schlosser nachdenken können. Während überregionale Medien genau dies, einschließlich der Gießener „Ehrenbürgerschaft“, thematisierten, hat man hier weggeschaut, wie man auch über das „Greif“-Denkmal sowie das Otto-Eger-Heim jahrelang weggeschaut hatte und erst nach beharrlichem Druck – halbherzig – aktiv wurde.

Gießen will sich gerne als „bunte“ Stadt verstehen, in der für Nazis kein Platz ist. Dann sollte sie auch eine konsequent antifaschistische Politik – auch am Beispiel Hermann Schlosser -  betreiben, betonte Michael Beltz abschließend, und nicht die Ehrung von verdienten Antifaschisten hintertreiben wie sie es mit der Lex Ria Deeg gemacht haben.

 

 

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