Termin 21.05.2018

23.05.2018 Lesung „Das knallrote Sofa“

Mittwoch, 23. Mai 2018, 19.00 Uhr, DGB Haus Gießen, Walltorstr. 17, Dachsaal

Wenn einer der Hölle entrinnt, was erwartet ihn? Salomon Marx aus Weinheim an der Bergstraße war in der Hölle, und er brauchte mehr als ein Wunder, um sie zu überleben. Marx gehörte zum Sonderkommando des KZ Auschwitz. Zusammen mit seinen Kameraden „verwertete“ er auf Befehl der SS die Leichen der Todesfabrik. Sie rissen Goldzähne heraus, schnitten Frauen die Haare ab und durchsuchten die Toten nach Wertgegenständen. Danach verbrannten sie die Opfer in den Krematorien. Um Zeugen zu beseitigen, tauschte die SS die Mitglieder des Sonderkommandos regelmäßig aus und ermordete sie.

Salomon Marx hat das Glück, zum letzten Sonderkommando zu gehören. Und den Todesmarsch im Januar 1945 zu überstehen, nachdem die Rote Armee das KZ Auschwitz befreit hat. Quasi zum zweiten Mal geboren, emigriert er nach Israel, hält es aber ohne seine Heimat nicht aus. Er kehrt nach Weinheim zurück – in Adenauers Bundesrepublik, die nichts mehr wünscht, als Krieg und Massenmord zu vergessen. Im Wirtschaftswunderland interessiert sich kaum einer für die Opfer der Naziverbrechen. Sie stören die Verdrängung. Marx stößt auf Gleichgültigkeit. Wenn nicht auf Hass. Er zerbricht an den Lügen im neuen Deutschland und verfällt dem Alkohol. Seine letzten Jahre lebt er als Stadtstreicher „Schloimer“. Nur ein jüdisches Ehepaar und eine Jugendzentrumsinitiative helfen ihm. Doch dann gerät er erneut ins Visier alter und neuer Nazis.

Pit Metz gelingt es eindringlich, das Schicksal eines Menschen zu schildern, der der Hölle entrinnt und im Nachkriegsdeutschland untergeht. Metz verwebt seine beeindruckende Erzählung mit Gedichten bekannter und unbekannter Autoren sowie mit Illustrationen der Malerinnen des Ateliers Cölber Mühle.

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